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Forum 3: Mathieu Coquelin: In der Jugendarbeit gegen Hetze und Hass

Forum 3 Hier finden Sie eine Zusammenfassung des Forums „Lust auf Demokratie und Toleranz im Netz" vom Safer Internet Day 2020. | Foto: Christian Reinhold

„Wir gegen die Anderen“

Oft teilen Menschen die Welt in zwei Gruppen und schaffen so den Nährboden für Vorurteile, Beleidigungen und Ausgrenzung. Vor allem auf den anonymen Kanälen des Social Media begegnen uns tagtäglich emotional geschürte Hassreden. Dabei ist Hatespeech kein Phänomen aller Altersgruppen. Hinter den meisten Falschmeldungen und Anfeindungen stecken meist Männer über 45 Jahre, so die Meinung einiger Referenten auf dem Safer Internet Day in Stuttgart. Umso wichtiger ist es, frühzeitig die jüngere Generation aufzuklären und für das Thema Hatespeech zu sensibilisieren.
Das sieht auch Mathieu Coquelin so. Der Dipl.-Sozialpädagoge kennt die Basis und leistet erfolgreich Präventionsarbeit in Schulen und Jugendhäusern. Insbesondere mit Kindern zwischen 8 und 12 Jahren hat er sehr gute Erfahrungen gemacht, denn in diesem Alter zeigen sich viele Kinder interessiert für das Thema „Hetze und Hass“. Vor Kurzem leitete Coquelin einen Workshop in einer achten Klasse. „Da ging es dann deutlich anspruchsvoller und hitziger zu, als über Vorteile und Gruppenabwertungen diskutiert wurde“, berichtet er. In den Köpfen mancher Jugendlicher stecken festgefahrene Vorstellungen und Stereotypen, die aufgebrochen werden müssen, um dann wieder einen Perspektivwechsel zu mehr Toleranz hinzubekommen, so Coquelin. Als Leiter der Fachstelle für Extremismusdistanzierung am Demokratiezentrum Baden-Württemberg beschäftigt er sich mit allen Facetten von Hatespeech. Neben Aufklärung möchte Coquelin den Jugendlichen auch Gegenstrategien aufzeigen, wenn sie Abwertungen von Gruppen im Netz erfahren.

Workshop zu Hatespeech selbst leiten

Ende 2019 hat er das zweijährige Modellprojekt Da.Gegen.Rede im Auftrag des Bundesfamilienministeriums abgeschlossen. Aus den Ergebnissen seiner Arbeit ist ein Workshop-Modul zum Thema Hatespeech entstanden, das er im Forum des Safer Internet Days vorstellte. Damit können Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter und Pädagogen selbst eintägige Workshop gestalten und unterschiedliche Aspekte zu Hatespeech mit den Jugendlichen erarbeiten. Das Modul besteht aus einem Vortrag und einer optionalen Arbeitsphase (mit Internetanalysen, Reflexionsübungen und Spielen zur Teambildung). Zu Beginn eines jeden Workshops sollte immer eine klare Definition zu Hatespeech stehen, die für Kinder und junge Erwachsene verständlich ist. Coquelin macht ihnen dabei klar: „Menschen werden nicht aufgrund ihrer Individualität gehasst, gedisst und abgewertet, sondern wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe.“ Das zeigen zum Beispiel Äußerungen wie „So ticken Türken halt“ oder „Ausländer sind kriminell“.

Hatespeech: Wann ist die Spitze des Eisbergs erreicht?

Im Forum „Lust auf Demokratie und Toleranz im Netz“ stellte Coquelin Inputs für den Workshop vor. Dazu gehörte auch das Eisbergmodell, mit dem Jugendliche lernen können, den strafrechtlichen Schweregrad einer Hate Speech-Äußerung einzuschätzen. Außerdem stellte er die „Vergruppungsübung“ vor. Hinter dem etwas sperrigen Begriff verbirgt sich ein Spiel mit Schmunzelfaktor, bei dem Jugendliche überraschende Gemeinsamkeiten untereinander feststellen können und dabei lernen, Vorurteile abzubauen. Neben methodischen Übungen zur Stärkung des „Wir-Gefühls“, zeigte Coquelin auch Handlungsstrategien im Umgang mit Hatespeech auf und warb dabei für die Meldestelle respect!, die als Clearingstelle die Möglichkeit bietet, Inhalte zu melden, von denen angenommen wird, dass sie strafrechtlich relevant sein könnten.

Inputs und Themen zum Vortrag im Überblick:

  • Definition Hatespeech? Gegen wen richtet sich Hatespeech und welche Formen von Hatespeech gibt es?
  • Zwischen schlechtem Witz und Hetze? Wo liegt die strafrechtlich relevante Grenze? (Eisbergmodell).
  • Was sind Vorurteile und wann wird ein Vorurteil zum Problem?
  • Gemeinsamkeiten finden und Stereotypen aufbrechen („Vergruppungsübung“).
  • Wachsam sein: Woran erkenne ich Abwertungen von Gruppen?
  • Welche Hassstrategien gibt es und welche Gegenstrategien können wir einsetzen?
    (Ignorieren, argumentieren, moderieren und distanzieren).
  • Anzeigen: Ich habe etwas zu melden. Wohin kann ich mich wenden?

Materialien und Meldestellen

Ausführliche Informationen zu den oben genannten Punkten finden Sie hier:

Text: Ulrike Boscher

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