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Pforzheim 2016

Tag der Medienkompetenz: Pforzheim

Mit iPads in der freien Natur: Medienbildung im Wildpark Pforzheim

Einmal im Jahr richtet das Medienzentrum Pforzheim für Lehrkräfte und Lehreranwärter/innen  einen Medienkompetenztag aus. In diesem Jahr erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie man ganz praktisch einen Tablet-PC im Unterricht einsetzt – beim Sprachunterricht oder im Sachkundeunterricht im Freien. Eindrücke vom Medienkompetenztag Pforzheim am 16. Juni 2016.

Passend zur aktuellen Fußball-EM fragte Karl-Heinz Nagel, der Leiter des Medienzentrums Pforzheim/Enzkreis, die Besucher, wie lange der Aufprall eines Fußballs dauert. Die Antwort lautet: eine Sekunde! Und was passiert in solch einer Sekunde im Internet? Über 7000 Mal wird pro Sekunde getwittert, über 700 Bilder bei Instagram hochgeladen und über 120 000 Videos auf Youtube angeschaut. Wer es nachverfolgen will, dem sei das Video „Social Media Revolution 2016“ empfohlen.

Im zweiten Teil des Vormittags stellte Monika Lüthje-Lenhart, vom Landesmedienzentrum in Karlsruhe, die „Leitperspektive Medienbildung“ im Zusammenhang mit den neuen Bildungsplänen des Landes Baden-Württemberg vor. Ausführliche Informationen hierzu sind auf den Seiten des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg zu finden:

http://www.lmz-bw.de/medienbildung/schule-unterricht/bildungsplan-2016/bp2016leitperspektive-medienbildung.html

Ein Schüler fotografiert Tiernahrung mit dem Tablet-PC. (Foto: Christian Reinhold / Landesmedienzentrum BW)

„Hinaus in die Natur – Entdeckendes Lernen analog und digital“

Punkt 10 Uhr starteten einige Teilnehmer hinaus in die Natur. Die Referendarinnen wurden mit Taxis zum Pforzheimer Wildpark gebracht. Dort sollten sie eine vierte Schulklasse der Grundschule Wimsheim begleiten, die mithilfe von iPads die Tierwelt des Wildparks erkundet. In dem seit den 70er Jahren bestehenden Wildpark sind neben Rehwild, Elchen und Gämsen auch Fischotter, Luchse und Wisents beheimatet.

Im Ewald-Steinle-Haus, einer Naturbildungsstätte, bekam die Schulklasse die iPads sowie ein Arbeitspapier mit den Gruppenaufgaben ausgehändigt. Die Aufgabe lautete, in Gruppen Tierfotos zu machen, Tiergeräusche aufzunehmen und Tiersteckbriefe auszufüllen. Die fertigen Ergebnisse sollten mithilfe  der vorinstallierten App „Book Creator“ als eBook zusammengefasst werden.

Zu Beginn der Wildpark-Führung erfuhr die Schulklasse alles Wichtige über Tiernahrung. Wildpark-Guide Andreas Hermann zeigte, womit die Tiere des Tierparks jeden Tag gefüttert werden: ein Eimer mit Tierstreu, ein echtes Rinderherz, tote Küken und Ratten kamen dabei zum Einsatz. Mit einer Mischung aus Ekel und Euphorie machten die Schülerinnen und Schüler mit ihren Tablets die ersten Fotos.

Knapp am Auge vorbeigegangen: Geweihe sind Angriffswaffen. (Foto: Christian Reinhold / Landesmedienzentrum BW)

„Hochmotivierte Schülerinnen und Schüler“

Trotz strömenden Regens ging es nun raus zum Fischotter-Teich. Während zwei Schüler den Fischotter mit rohem Fisch fütterten, durften die anderen beobachten und fotografieren. Zum Schutz vor Regentropfen wurden die iPads mit Klarsichtfolien abgedeckt. Danach kletterten die Schülerinnen und Schüler in die Wipfel des Baumhauses um weitere Arbeitsaufträge zu erledigen. Nach einer Fütterung im Rehgehege und einer Einführung in Geweihkunde ging es zurück ins Ewald-Steinle-Haus. Jetzt sollten die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeitsaufträge vervollständigen und in Gruppenarbeit das erstellte eBook an der Leinwand präsentieren. Zum Vorschein kamen Tieraufnahmen, selbstgemachte Tiergeräusche und fertige Tiersteckbriefe. Die anwesenden Referendarinnen lernten, dass die eBooks von jedem Smartphone aus – mithilfe des Browsers – angeschaut werden können. Die Idee dahinter ist, dass auch Eltern von überall her, also auch zu Hause, die Ergebnisse ihrer Kinder anschauen können. Zum Schluss überraschte Karl-Heinz Nagel die Kinder mit einem Videozusammenschnitt der vergangenen Stunde, die er in Windeseile mit der iMovie-App erstellt hatte.

Wir fragten Sylvia Widemann, die die Klasse während des Ausfluges betreute, wie sie die Kombination von Medienbildung und Naturkunde beurteilt. Die Klassenlehrerin der Grundschule Wimsheim zog nach dem Einsatz von iPads im Sachunterricht eine eher zwiespältige Bilanz: „Ich finde, wenn man Tiere beobachten will, sollte man biologisch und analog vorgehen. Das Erlernen von Medienkompetenz – z.B. dass die Kinder lernen, wie man mit verschiedenen Apps umgeht – ist eine andere Baustelle. Je nachdem was man für eine Zielsetzung hat, machte der Einsatz von Tablet mehr oder weniger Sinn.“ Dennoch stellte Sylvia Widemann gleichzeitig fest, dass der Einsatz von Tablets in so einer ansprechenden Umgebung auch seine Vorteile hat. Sie beobachtete, dass „die Kinder mit den Apps rasend schnell umgehen können und dadurch hochmotiviert sind“ und dass „die Texte und Bilder mit dem iPad wesentlich schneller erstellt werden, als mit Stift und Papier.“ Die Schülerinnen und Schüler vor Ort zeigten mehr Begeisterung. „Mit dem iPad macht es viel mehr Spaß. Man kann schnell damit ins Internet, man kann tippen, Fotos machen“ schwärmte eine Viertklässlerin. Eine Mitschülerin gab zu bedenken, dass „zu viele Medien dem Körper nicht gut tun und auch süchtig machen können“. Bei den Schülerinnen nachgefragt, ob sie öfter mit dem iPad im Unterricht arbeiten möchten, kam dennoch ein eindeutiges „Ja“.

Lehramtsanwärterinnen proben den Einsatz von iPads im Sprachunterricht. (Foto: Christian Reinhold / Landesmedienzentrum BW)

„Spielerische Sprachförderung in der Grundschule mit Apps“ mit Catharina Bekker

Ein anderer Workshop des Medienkompetenztages widmete sich der Sprachförderung mit Apps. Die Deutsch-Lehrerin Catharina Bekker ist gleichzeitig auch medienpädagogische Beraterin am Medienzentrum Pforzheim-Enzkreis und beschäftigt sich mit dem Einsatz von digitalen Medien im Sprachunterricht der Grundschule. Als Deutsch-Lehrerin gab sie allgemeine Hinweise zum Deutsch-Unterricht insbesondere bei fremdsprachigen Kindern. Bei diesen Kindern spreche man von „Deutsch als Zielsprache“. Sie seien vielfach auch Multiplikatoren für ihre Eltern. Catharina Bekker empfahl in diesem Zusammenhang, den Schülerinnen und Schülern pro Tag nicht mehr als acht neue Vokabeln zuzumuten.

Wie App-unterstützer Sprachunterricht aussehen kann, erklärte Catharina Bekker am Beispiel von Präpositionen. Ob eine Maus sich „unter“, „über“ oder „auf“ dem Dach befindet lässt sich sehr gut visuell darstellen. Mithilfe der Keynote-App, einer Art Powerpoint fürs iPad, zeigte sie ein gemaltes Bild, in dem eine Maus in unterschiedlichen Positionen dargestellt ist. Neben der Maus erscheint ein Lückentext, in dem die Kinder die jeweilige Präposition ergänzen können, z. B. „Die Maus liegt ____ dem Bett“). Danach erscheint die Lösung. Wichtig sei, so Catharina Bekker, am Ende der Präsentation immer ein positives Feedback unterzubringen („Gut gemacht.“). Die gleiche Arbeitsweise lässt sich auch mit Apps wie „Book Creator“ oder „Comic Life“ umsetzen. Bei „Book Creator“ entstehen digitale Bücher, die mit Audio-Files zum „Vorlese-Buch“ erweitert werden können. Bei „Comic Life“ kann mithilfe von Text und Fotos ein Comic-Strip produziert werden. Schwerpunkt ist hier die visuelle Gestaltung und die Erzählstruktur.

Die Referendarinnen durften die vorgestellten Apps auch selber ausprobieren und eine praktische Übung meistern. Die Aufgabe: Stellen Sie ihr Lieblingstier vor oder eine Erfindung, die die Welt veränderte. Nach einer halben Stunde präsentierten sie die Entstehung des Buchdruckes, das peruanische Meerschweinchen, den Hase „Lotte“ sowie die Giraffe in Ton und Bild. Zum Abschluss empfahl Catharina Bekker weitere Apps, mit denen der Sprachunterricht bereichert werden kann.

Für die medienpädagogische Beraterin Bekker liegen die Vorteile der Tablets klar auf der Hand. Viele Kinder haben einen leichteren Zugang zu den Geräten, da sie selber Smartphones von zu Hause her kennen, so Bekker. Die Ergebnisse werden digital „länger haltbar“ gemacht und Eltern können sie ganz einfach von zu Hause aus anschauen. Mithilfe von Tablets und Apps lassen sich mehrere Lernebenen gleichzeitig ansprechen, erklärte uns Catharina Bekker. In Kombination lässt sich das Hörverstehen anregen, Leseverstehen sowie Schreibfähigkeit fördern. Gerade bei Kindern aus dem arabischen Raum, die ein anderes Alphabet benutzen oder für Kinder, die noch Analphabeten sind, ist der Einsatz der Tastatur hierbei besonders hilfreich. Um die Aussprache zu verbessern, können sich die Kinder mit dem Tablet-Mikrophon aufnehmen und danach gleich anhören. Das motiviert besonders zu Beginn beim Erlernen einer Sprache, so Catharina Bekker.

Das Medienzentrum Pforzheim ist im Enzkreis für über 150 Schulen zuständig und teilt sich seinen Standort mit dem Staatlichen Seminar für Didaktik und Fortbildung (GS) Pforzheim. Hier werden vorrangig Grundschulpädagogen ausgebildet.

Der Medienkompetenztag fand im Rahmen der Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg statt und wurde  in Kooperation mit dem Landesmedienzentrum Baden-Württemberg organisiert. Das Ziel der breit angelegten Initiative der Landesregierung ist es, die IT- und Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen, Eltern und anderen Erziehungsverantwortlichen im Land zu stärken. Mit der Initiative werden die zahlreichen Projekte, Aktivitäten und Akteure im Land gebündelt, vernetzt und durch feste Unterstützungsangebote ergänzt sowie eine breite öffentliche Aufmerksamkeit für die Themen Medienbildung und -erziehung geschaffen. Träger sind neben der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) die Landesanstalt für Kommunikation (LFK) und das Landesmedienzentrum BW (LMZ).

Kontakt

Medienpädagogische Beratungsstelle
0711 2850-777
beratungsstelle@lmz-bw.de