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Forum 2

Fachforum "Digitale Anwendungen – Apps"

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Fachforum 2 Jürgen Dorsch, Medienpädagogischer Berater am Kreismedienzentrum Heilbronn, und Mike Kuketz, Berater bei Kuketz IT-Security, sprachen über Chancen und Risiken von Apps. Das Publikum konnte sich selbst ein Bild machen. (Bild: Simon Riedl, Text: Magdalena Steiner)

Fast drei Viertel der Jugendlichen haben eines laut JIM-Studie 2013: ein Smartphone. Applikationen, kurz: Apps, sind Programme, die die Nutzung dieser Geräte (und von Tablet-Computern) erleichtern. Sie werden auf dem Handy installiert und ermöglichen einen unkomplizierten Zugang zu Inhalten und Diensten. Doch sind Apps wirklich kleine Helfer, die (oftmals kostenlos) dem Verbraucher die Bedienung erleichtern, oder verfolgen sie eine ganz eigene Absicht, ein eigenes Geschäftsmodell? Im Fachforum 2 wurden die Vor- und Nachteile von Apps beleuchtet. (Weitere Informationen dazu sind hier auf Kindermedienland zu Apps für Handy und Tablet zu finden.)

Der Einsatz von Apps im Unterricht

Apps können für den Unterricht durchaus gewinnbringend eingesetzt werden. Dies demonstrierte Jürgen Dorsch, Medienpädagogischer Berater des Kreismedienzentrums Heilbronn, einem interessierten Zuhörerkreis, der zur Hälfte aus Lehrkräften bestand. Die Teilnehmenden konnten sich dabei selbst ein Bild von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten machen. Da Jürgen Dorsch überwiegend mit Apple-Technologie arbeitet, demonstrierte er vor allem Apps aus diesem Bereich.

Erkenntnisse zur Nutzung von Windows-Apps erhofft sich das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg aus seinem neuen Projekt "Tablet & Schule", das es derzeit in Kooperation mit dem Stadtmedienzentrum Stuttgart, dem Kreismedienzentrum Heidenheim und dem Kreismedienzentrum Ravensburg durchführt. Es soll in einer zweijährigen Testphase an einem Gymnasium, einer Realschule und einer Grundschule wesentliche Erkenntnisse für den pädagogischen Einsatz von Windows 8-Tablets im Schulunterricht erbringen. Es wird Grundlage sein für Empfehlungen, die dann den Schulen zur Verfügung gestellt werden können.

Jürgen Dorsch demonstrierte, dass Tablets vielfältig eingesetzt werden können: als Demonstrationsmedium am Beamer (z. B. als Dokumentenkamera oder um Filme oder Präsentationen zu zeigen), als interaktives Whiteboard, als Kreativwerkzeug für Trickfilm, Video- oder Audioschnitt, als Werkzeug bei der Projektarbeit oder der Schülerverwaltung und als Plattform für fachspezifische Lernprogramme.

Apps rund um Schule und Unterricht

Besonders hervorgehoben hat der medienpädagogische Berater Lernapps. Vorteilhaft sei, dass der Stoff damit wiederholt, geübt oder sogar im Selbststudium erlernt werden kann. Mit der App "Wort-Zauberer" zum Beispiel können die Lernenden ihre Rechtschreibung anhand fertiger oder selbst erstellter Wortlisten trainieren. Die App "doceri" macht es möglich, das iPad in Verbindung mit einem Beamer als interaktives Whiteboard zu nutzen und mit einem Stift auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm zu schreiben und zu zeichnen. Der Vorteil zur traditionellen Tafelnutzung sei dabei eindeutig ein „schülerzugewandtes Arbeiten“. Die App "Socrative" dient den Lernenden zur Lernzielkontrolle, "Teacher Tool" erleichtert den Lehrenden die Schülerverwaltung. Hier wies Jürgen Dorsch nachdrücklich darauf hin, dass sich Lehrkräfte in einem „ganz sensiblen Bereich des Datenschutzes befinden“. Jede Lehrkraft sollte sich daher vor der Nutzung einer App, die eine Eingabe von Schülerdaten erfordert, über die Datenschutzrichtlinien informieren und im Zweifelsfall auf die App verzichten.

Datenbanken für Bildungsapps und Blogartikel zum iPad im Unterricht gibt es bei schule-apps.de, iPad in der Schule und iPad@School.

Ein Blick hinter die „Smartphone-Kulissen“

Mike Kuketz, IT-Sicherheitsberater und Referent des LMZ, hat es sich zum Ziel gesetzt, „den bösen Buben den Tag zu erschweren“, indem er fragt: „Wie sicher ist mein Gerät? Habe ich noch die Kontrolle?“

Die Realität: Die Sicherheit von iOS und Android

Jedes mobile Betriebssystem hat laut Kuketz Sicherheitslücken. Das betrifft nicht allein Android, das mit Schlagzeilen wie „Supervirus befällt Android-Handys“ (bild.de) oder „Android ist am meisten von Mobil-Malware bedroht“ (spiegel.de) negativ in die Schlagzeilen kam. „Android ist nicht weniger sicher bzw. unsicher als iOS“, weiß Kuketz. Android sei allerdings zum einen weiter verbreitet als das Apple-Betriebssystem iOS und daher Angriffsziel Nummer 1. Außerdem habe es gewisse Nachteile gegenüber iOS, nämlich seine Offenheit, eine nicht ausreichende Kontrolle und uneinheitliche Bezugsquellen von Apps. Ganz unabhängig vom Betriebssystem sind andere Gefahrenquellen zu nennen: Ein Smartphone kann gestohlen werden oder verloren gehen, es gibt unsichere Kommunikationskanäle oder ein Nutzer kann z. B. Phishing-Mails zum Opfer fallen.

Apps und Datenschutz

Kuketz brachte die Datenschutzproblematik auf den Punkt: „Apps können ganz viel, und zwar viel mehr, als propagiert wird!“ Es gebe mittlerweile „unzählige Apps für alle Lebenslagen“, die jedoch nicht allein den Alltag erleichtern, sondern zugleich „kleine Taschenspione“ seien. Es herrsche eine „Wild-West-Mentalität“ in Bezug auf die Datenschutzbestimmungen: „Jeder Hersteller macht im Prinzip, was er will“. Apps griffen deswegen ungeniert auf sensible Informationen zu und leiteten diese ungefragt weiter. Selbst kostenpflichtige Apps sammelten Daten. Smartphone-Anwender hätten schon längst die Kontrolle über ihre Daten verloren, so der Referent, und niemand wüsste wirklich, wohin die Daten eigentlich gingen und was mit ihnen passierte.

Das für die Anwender oftmals „nervige“ Pop-up vor jeder Installation sei Kuketz zufolge äußerst wichtig: „Es fasst zusammen, was eine App darf und was nicht.“ Es soll gewährleisten, dass Apps ohne explizite Rechte keinerlei Aktionen auf einem Gerät ausführen dürfen. In der Realität seien die Anwender jedoch zumeist überfordert, da sie den Sinn hinter den Berechtigungen oftmals nicht verstünden.

Wozu die Datensammelwut dient? Laut Kuketz sind die Daten interessant für Staat und Geheimdienste sowie für Unternehmen und Konzerne, die detaillierte Benutzerprofile aufbauen, um zum Beispiel personalisierte Werbung zu verschicken und Marktprognosen abgeben zu können. Kriminelle schließlich haben es auf Bankgeheimnisse oder andere sensible Daten abgesehen, um diese für "Abzocke" und Betrug zu nutzen.

Android FirstAid Kit – in 5 Schritten zu mehr Sicherheit und Datenschutz

Kuketz zeigte aber auch Alternativen auf. Sein erster Tipp ist, das Smartphone anhand folgender Leitfragen zu entrümpeln: Auf welche Apps kann ich verzichten? Welchen Apps vertraue ich, welchen nicht? Welche Apps verletzen nicht nur meinen Datenschutz, sondern auch den meiner gespeicherten Kontaktpersonen? Anschließend führen folgende Schritte zu mehr Sicherheit und Datenschutz:

1.    Die App aSpotCat zum Verständnis der Berechtigungen nutzen.

2.    Gezielt nach Apps suchen, bei denen der Nutzer selbst die Berechtigungen festlegen kann (vgl. die App APEFS der Universität Siegen als Unterstützungsmöglichkeit).

3.    Die Informationen der Entwickler – wenn vorhanden – nach den Gründen für bestimmte Berechtigungen durchsuchen.

4.    Vertrauenswürdige Quellen zum Download von Apps nutzen (z. B. Google PlayStore, Amazon AppStore, F-Droid AppStore).

5.    Das Bewertungssystem und die Kommentare in den AppStores nicht beachten, sondern „selbst urteilen und nicht der Masse folgen!“

Ob die Daten nach diesen Hilfsmaßnahmen sicher seien, könne man aber nicht eindeutig beantworten: Die Tipps würden zwar gegen die größten „Datenschleudern“ helfen, aber auf manche Apps könnten bzw. wollten die Anwender nicht verzichten.

Kuketzʼ Fazit lautete: Ein sicheres oder gar datenschutzkonformes Smartphone existiert nicht. Wer sich und seine Daten schützen möchte, muss dies in seine eigenen Hände nehmen – und andere aufklären!

Kontakt

Medienpädagogische Beratungsstelle
0711 2850-777
beratungsstelle@lmz-bw.de