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Forum 3

Fachforum "Digitaler Alltag" – Was müssen Familien wissen?

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Fachforum 3 Prof. Dr. Christoph Fasel von der Verbraucherkommission Baden-Württemberg informierte umfassend über Chancen und Risiken des digitalen Lebens und diskutierte mit den Teilnehmern darüber, was Familie und Schule wissen müssen und tun können. (Bild: Simon Riedl, Text: Annette Stetter)

„Welche Informationen benötigen Kinder und Erwachsene, um sich sicher im Netz zu bewegen?“, lautete die Leitfrage von Prof. Dr. Christoph Fasel von der Verbraucherkommission Baden-Württemberg. Im Fachforum 3 informierte er umfassend über Chancen und Risiken des digitalen Lebens und diskutierte mit den Teilnehmern darüber, was Familie und Schule wissen müssen und tun können.

Der sechsfache Vater definierte, was den digitalen Alltag von Kindern und Jugendlichen ausmacht: In einer sich rasant ändernden Lebenswelt nutzen sie, die so genannten Digital Natives, den unbegrenzten Zugang zu digitalen Medienangeboten und vernetzen sich in Chats, Foren und Sozialen Netzwerken. Ältere Generationen und Minderheiten, auch Eltern und Lehrer, laufen Gefahr, von der Wertewelt der Jugendlichen abgekoppelt zu sein. Gleichzeitig müssen sie sich jedoch der Aufgabe stellen, Kindern beim Umgang mit der Informationsflut Hilfestellungen zu geben und sie zum bewussten Nutzer der medialen Angebote zu erziehen. 

Mut zur Medienerziehung – Zuhause und in der Schule

 Der Referent legte seinen Zuhörerinnen und Zuhörern nahe, die Frage der Rechte bei der Nutzung von Blogs, Tweets und Sozialen Netzwerken mit Jugendlichen und Kindern zu thematisieren und die Bedeutung der digitalen Spuren im Netz aufzuzeigen. „Mut zur Erziehung“ und „sich trauen, nein zu sagen“ legte er insbesondere den Eltern ans Herz. Denn nur dort, wo klare, reflektierte Regeln herrschen, gibt es Halt und Orientierung. „Porno, Gewalt und unbeaufsichtigte Chats mit Unbekannten sind tabu“, lautet eine seiner Empfehlungen. Regeln können allerdings nur dann glaubwürdig sein, wenn sich Eltern und Lehrer selbst mit digitalen Medien beschäftigen und sich von ihren Kindern zeigen lassen, was sie im Internet tun. Wer mit Jugendlichen vertrauensvoll diskutiert, kann ermutigende Aufklärung leisten.

Eine Frage, die junge Internetnutzer sich stellen sollten, bevor sie etwas veröffentlichen: „Kann ich in 10 Jahren noch hinter dem stehen, was ich hier poste?“. Erfolgreiche Prävention fördert das Nachdenken und beugt negativen Auswirkungen auf das Privat- und Berufsleben vor, denn was einmal im Netz eingestellt ist, bleibt dort für immer. Als Experte auf dem Gebiet des Medienjournalismus machte Christoph Fasel auch darauf aufmerksam, dass das Netz (bislang) kein Presserecht kennt und die Schnelllebigkeit des Internets es unumgänglich macht, die Verlässlichkeit von Informationen zu prüfen und intelligente Recherchefertigkeiten zu besitzen.

Präventionsarbeit an Schulen

Die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer, Eltern, medienpädagogischen Referentinnen, Referenten und Vertreter der Regierungspräsidien bereicherten das Forum mit ihren Erfahrungen zum Thema digitaler Alltag. Spontan berichtete etwa Uli Seiler, medienpädagogischer Referent des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg, von seiner Präventionsarbeit in Workshops an Schulen, in denen er mit Schülerinnen und Schülern beispielsweise in die Nutzungsbedingungen von WhatsApp schaut oder sie herausfinden lässt, was Facebook alles über sie weiß. Einig waren sich die Teilnehmer vor allem darüber, dass Schule junge Menschen gut auf das Leben vorbereiten muss und dabei die Medienbildung zentraler Bestandteil ist. Nur wenn Politik, Eltern und Lehrer sich gemeinsam kümmern, können die Herausforderungen des digitalen Alltags gemeistert werden. Es sollte mehr Medienexpertinnen und -experten an den Schulen geben, die Lehrerinnen und Lehrern bei ihrer Arbeit unterstützen, stellte eine Teilnehmerin fest. „In der Lehrerbildung werden angehende Lehrerinnen und Lehrer inzwischen medienpädagogisch ausgebildet“, so Ulrike Schweizer, Leiterin des Kreismedienzentrums in Freudenstadt. „Große Hoffnung legen wir zudem in die heranwachsende Lehrergeneration, die selbst Digital Natives sind.“ Sie betonte dabei auch, dass das Landesmedienzentrum den Schulen verschiedene Programme bietet, die sie zur Verankerung der nachhaltigen Medienbildung im Schulalltag nutzen können.

Empfehlungen für Eltern und Pädagogen

In seinen abschließenden Empfehlungen an Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen betonte Prof. Dr. Fasel, dass es wichtig ist, Interesse an der digitalen Lebenswelt der Jugendlichen und Kinder zu zeigen. Er warnte auch davor, das Netz abzuwerten, weil es ein elementarer Bestandteil der Lebenswelt junger Menschen sei. Auch Drohkulissen aufzubauen, sei wenig sinnvoll, denn die Gefahren des digitalen Alltags können junge Menschen durchaus meistern.

Als Antwort auf seine Leitfrage, welche Informationen Kinder und Erwachsene benötigen, um sich sicher im Netz zu bewegen, betonte der Referent: Die gemeinsame Auseinandersetzung mit Themen des digitalen Alltags zwischen Jugendlichen, Kindern, Eltern,  Pädagoginnen und Pädagogen ist der Schlüssel zur nachhaltigen Prävention und Stärkung im Umgang mit digitalen Medien.

Weitere Informationen dazu gibt es auch im Bereich Jugendmedienschutz von MediaCulture-Online, dem medienpädagogischen Portal des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg.

Kontakt

Medienpädagogische Beratungsstelle
0711 2850-777
beratungsstelle@lmz-bw.de