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Forum 3 – Werte

Forum 3 – Werte: „Brauchen wir einen Werte-Kodex fürs Netz?“

Forum 3 Joanna Schmölz vom DIVSI stellte die U25-Studie vor. Bild: LMZ, Text: Sascha Schmidt.

Die U25-Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) untersuchte in Zusammenarbeit mit dem Heidelberger SINUS-Institut das wertebasierte Rechts- und Sicherheitsverständnis von Unter-25-Jährigen, hinsichtlich ihrer Online-Aktivitäten. In der Studie wurden junge Menschen im Alter von 9 bis 24 Jahren zu ihren Nutzungsgewohnheiten im Internet befragt. Zentrale Ergebnisse wurden im Rahmen des Safer Internet Day der Initiative Kindermedienland am 10. Februar 2015 im Haus der Wirtschaft in Stuttgart von Joanna Schmölz präsentiert. Sie ist stellvertretende Direktorin und wissenschaftliche Leiterin des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Ergänzend erarbeitete Peter Martin Thomas, Leiter der SINUS-Akademie Heidelberg, gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Fallbeispiele, an denen die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft aus werte-pädagogischer Sicht deutlich wurden.

Immer online

Online zu sein ist für junge Menschen heute selbstverständlich und stellt für sie ein zentrales Element der gesellschaftlichen Teilhabe dar. Formal bildungsferne Milieus weisen dabei generell weniger Selbstvertrauen im Umgang mit den digitalen Angeboten auf als bildungsnahe Milieus. Höhere formale Bildung bedeutet in diesem Zusammenhang auch eine bewusstere Nutzung des Internets als Informations- und Bildungsinstrument. Der Zugang zu Online-Angeboten wird im jungen Alter hierbei noch stark von den Eltern reglementiert, ab einem Alter von circa 14 Jahren nutzen die Heranwachsenden das Internet dann vermehrt in Eigenregie. Die von den Eltern gesetzten Regeln nehmen mit zunehmendem Alter der Kinder ab und die Einhaltung kann aufgrund der vielfältigen Zugangsmöglichkeiten ohnehin nur noch schwer überprüft werden.

Online-Communities und digitale Freundschaften

Online-Communities spielen für junge Menschen eine wichtige Rolle. Entsprechende Angebote werden bereits früh und intensiv in Anspruch genommen. Dienste wie Facebook und Whatsapp stellen für die jungen Nutzer/innen dabei eine wichtige Verbindung zu ihren Freunden dar. Der „Freunde“-Begriff wird in diesem Zusammenhang zwar multidimensional verwendet (d.h. sowohl im echten Leben als auch z.B. auf Facebook), jedoch werden ihm in verschiedenen Kontexten auch verschiedene Bedeutungen zugeschrieben: Facebook-Freunde müssen demnach keineswegs „enge“ bzw. „richtige“ Freunde sein.

Privatsphäre und Mobbing im Netz

Privatheit im Kontext der Online-Communities bezieht sich nach dem Verständnis vieler junger Menschen heute nicht primär auf personenbezogene Daten. Vielmehr werden von ihnen diejenigen Daten als schützenswert erachtet, die peinlich bzw. intim sind und dem eigenen Ruf schaden könnten. In diesem Kontext wird auch Mobbing im Internet als intensiver empfunden als im realen Leben. Dies liegt u.a. daran, dass die Hemmschwelle gegenüber Mobbing im Netz generell niedriger ist und sich online ein wesentlich größeres Publikum eröffnet. Werden von den Befragten für das echte Leben zwar Möglichkeiten wie ein Schulwechsel als Lösung für Mobbingopfer in Betracht gezogen, so stellt für sie der Austritt aus Online-Communities keine erwägenswerte Alternative dar.

Legalitätsempfinden und Sicherheit im Netz

„Erlaubt ist, was alle machen“ denken viele Jugendliche und laden daher auch illegal z.B. Musik oder Filme herunter bzw. streamen sie. Spricht man mit Jugendlichen darüber, so argumentieren sie oftmals, warum sie Geld für etwas ausgeben sollten, wenn sie dies auch gratis im Internet beziehen könnten.

Das Sicherheitsgefühl im Netz der meisten jungen Nutzer/innen verschlechterte sich seit dem Geheimdienstskandal im vergangenen Jahr, jedoch hat dies offenbar keinerlei Einfluss auf deren Nutzungsroutinen. Es zeigt sich bei den jungen Menschen somit zwar ein gewisses Bewusstsein für Themen wie Datenschutz, jedoch ist aufgrund dessen keine nennenswerte Änderung der Online-Nutzungsgewohnheiten festzustellen.

Diskussion über wertepädagogische Fragen

Zum Abschluss stellte Peter Martin Thomas den Teilnehmerinnen und Teilnehmern folgende Fallbeispiele zur Diskussion:

  • Im Freundeskreis ihres 12-jährigen Kindes kursieren pornographische Inhalte auf deren Smartphones. Sie vermuten deshalb, dass auch Ihr Kind entsprechende Inhalte auf dem Smartphone haben könnte. Was tun Sie?
  • Als Lehrperson geben Sie den Schülerinnen und Schülern einer 4. Klasse die Hausaufgabe, im Internet nach einem bestimmten Thema zu recherchieren. Drei Lernende weisen Sie darauf hin, dass sie kein Internet zur Verfügung haben. Wie handeln Sie?

In der Gruppe wurden beide Fragen kontrovers diskutiert und blieben ohne klares Ergebnis. Dies zeigt die Notwendigkeit, dass entsprechende Fragen im gesamten Kontext diskutiert werden sollten und die Gesellschaft sich eine klare Haltung gegenüber werte-pädagogischen Fragestellungen erarbeiten muss. Nur auf diese Weise können die damit verbundenen Herausforderungen in einer digitalen Gesellschaft bewältigt werden.

Vortrag „Brauchen wir einen Werte-Kodex fürs Netz?“ zum Download (PDF)

Kontakt

Medienpädagogische Beratungsstelle
0711 2850-777
beratungsstelle@lmz-bw.de