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Podiumsdiskussion

Podiumsdikussion "Digital dabei um jeden Preis?!"

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Fachforum 1 In der äußerst spannenden Podiumsdiskussion ging es um digitale Medien in der Schule, das Leitprinzip Medienbildung und die Rolle der Familie bei der Medienerziehung. (Bild: Simon Riedl, Text: Bianca Keinath)

Was bedeutet es eigentlich, "digital dabei" zu sein, und um welchen Preis? Mit diesen Fragen stieg die Moderatorin Petra Waldvogel in die Podiumsdiskussion zum Abschluss der Auftaktveranstaltung ein. Anke Beck stellte als Vertreterin des Staatsministeriums Baden-Württemberg vor allem den Aspekt der Teilhabe durch digitale Medien in den Vordergrund. Wolfgang Kraft, Direktor des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ), betonte, dass sich die Frage "ob" praktisch nicht mehr stelle. Vielmehr gehe es darum, Menschen dabei zu begleiten, mit Medien kompetent "dabei zu sein". Dies sei eine der zentralen Aufgaben des LMZ. Für Professor Klaus Peter Jantke, Experte im Bereich Digitale Spiele, war die Antwort pragmatisch: „Immer dann, wenn digital besser ist als analog“, sollte man digital dabei sein. Die anderen Teilnehmer der Podiumsdiskussion stimmten dem zu. So ist es für den Schüler Ruben Pflüger heute schon eine Selbstverständlichkeit, digital dabei zu sein, und Uwe Christian als aktives Elternteil betonte, dass man wegen dieser Selbstverständlichkeit von digitalen Medien im Alltag Kinder im Umgang mit diesen Medien stärken müsse.

Gesprächsstoff ergab sich auch bei der Frage, wie Medienbildung in der Schule vorangebracht werden kann. Karlheinz Straub, Leiter des Kreismedienzentrums Göppingen, betonte, dass die Lehrkräfte die größtmögliche Unterstützung und gute Bedingungen benötigen und sieht hier eine wichtige Aufgabe der Kreismedienzentren. Der Schülermedienmentor Ruben Pflüger berichtete aus seinem Schulalltag, dass Lehrer im Umgang mit technischen Geräten sich häufig überfordert fühlten. Wolfgang Kraft (LMZ) ermutigte deshalb die Schulen und Lehrkräfte dazu, sich diesen neuen Herausforderungen zu stellen: „Wenn Kinder digital leben, dann können wir nicht nur analog in der Schule leben“. Seiner Ansicht nach stelle die Schule sich dieser Aufgabe auch und werde durch die neuen Bildungspläne ab 2015 unterstützt, da dort Medienbildung über Schularten und Schulstufen hinweg verpflichtend verankert wird.

Ein Leitprinzip der neuen Bildungspläne: Medienbildung

Weil Schülerinnen und Schüler mit ganz unterschiedlichen Vorkenntnissen in die Klassen 5 der weiterführenden Schulen eintreten, führt ein so genannter "Basiskurs Medienbildung" diese unterschiedlichen Vorkenntnisse zusammen und gewährleistet eine einheitliche Ausgangsbasis in Bezug auf die vorhandenen Medienbildungskompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Klasse 5. Der Basiskurs Medienbildung gewährleistet somit eine verlässliche Grundlage zum weiteren Erwerb umfassender Medienbildung in der Sekundarstufe und übernimmt in Klasse 5 eine Brückenfunktion an der Schnittstelle zwischen Grundschule und weiterführender Schule.

Auch die Familie hat im Umgang mit Medien einen nicht zu unterschätzenden Einfluss, wie Professor Jantke betonte. Medienkompetenz müsse daher auch in der Familie gefördert werden. Am Beispiel seines Spezialgebietes Digitales Spielen verdeutlichte er, dass die Familie maßgeblich daran beteiligt ist, wie Kinder und Jugendliche Medien nutzen und wie sie diese Erfahrungen bewerten und einordnen: „Dort, wo Familien in Ordnung sind, wo Eltern mit ihren Kindern kommunizieren, sorge ich mich nicht um Kinder, die spielen (…). Dort, wo nicht kommuniziert wird, sorge ich mich nicht ums Spielen“, sagte Jantke. Uwe Christian bestätigte dies als Eltern-Medienmentor und forderte Eltern dazu auf, sich Zeit für ihre Kinder zu nehmen und sich für das zu interessieren, was ihre Kinder tun.

Lösungen für das "digitale Defizit"

Während der Diskussion forderte ein Lehrer von der Landesregierung konkrete Maßnahmen, um die Technikausstattung an Schulen zu optimieren und das teilweise vorhandene "digitale Defizit" von Lehrkräften auszugleichen.

Wolfgang Kraft verwies in diesem Zusammenhang auf das umfassende  Unterstützungssystem des LMZ und der Medienzentren, auf das Schulen zurückgreifen können. Medien und Geräte können beispielsweise  bei den Kreis- oder Stadtmedienzentrum vor Ort ausgeliehen werden. Darüber hinaus  biete das LMZ Beratung, Materialien, Online-Medien, technischen Support für schulische Netze und eine Vielzahl von Veranstaltungen für Lehrkräfte, Pädagogen und Eltern rund um Fragen der Medienbildung an. Es bestehe die Möglichkeit, mit Medienpädagogischen Beratern und Schulnetzberatern vor Ort zusammen zu arbeiten. Durch die Verankerung der Medienbildung in den Bildungsplänen setze die Landesregierung aber ein ganz wichtiges Zeichen, das Grundlage für vielfältige weitere Maßnahmen in der Lehreraus- und -fortbildung, aber auch in der Ausstattung der Schulen sein könne. KMZ-Leiter Straub hält digitale  Medien im Unterricht für eine gute Möglichkeit, die Schüler zu begeistern und zu motivieren.

Abschließend forderte Professor Jantke die Familien wie die Lehrkräfte dazu auf, die Welt mit Kindern gemeinsam zu gestalten. Dies müsse nicht immer digital sein – es gehe darum, ein Maß zwischen der virtuellen und realen Welt zu finden.

Kontakt

Medienpädagogische Beratungsstelle
0711 2850-777
beratungsstelle@lmz-bw.de