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Forum 3: Dr. Iren Schulz: Smart Attack?! Herausforderungen und Möglichkeiten der pädagogischen Arbeit mit dem Smartphone in Familie, Schule und Jugendarbeit

Forum 3 Smart Attack?! Herausforderungen und Möglichkeiten der pädagogischen Arbeit mit dem Smartphone in Familie, Schule und Jugendarbeit (Dr. Iren Schulz, Kommunikationswissenschaftlerin und Medienpädagogin)

Leiden Jugendliche unter digitalem Zeitstress?

Online zu sein, ist heutzutage Normalzustand. Mit Hilfe des Smartphones geschieht ein permanenter Austausch im Beziehungsnetz, jederzeit und allerorts. Doch dieser Zustand schafft nicht nur Chancen, sondern birgt auch neue Herausforderungen. Medienpädagogin Dr. Iren Schulz spricht beim Safer Internet Day 2019 über die Herausforderungen und Möglichkeiten der pädagogischen Arbeit mit dem Smartphone.

Ein Leben im Stand By-Modus

66 Prozent der Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren nutzen bereits in den ersten fünf Minuten nach dem morgendlichen Aufstehen ihr Smartphone. Mehr als die Hälfte lässt ihr Gerät auch nachts eingeschaltet oder zumindest im Flugmodus direkt neben dem Bett liegen. Darüber hinaus erwarten 60 Prozent der befragten Jugendlichen Antworten in Messenger- und Social Media-Diensten sofort oder innerhalb weniger Minuten. Dies sind zentrale Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie von Saferinternet.at zum digitalen Zeitstress von Jugendlichen. Die Ergebnisse verdeutlichen den Stellenwert, aber auch den Druck, der durch die mobilen Endgeräte und deren App-Angebot aufgebaut werden kann.

„Jugendliche sind es gar nicht mehr gewohnt, allein zu sein und müssen dies erst lernen“, so Schulz. Heutzutage ist es selbstverständlich, zum Smartphone zu greifen, wenn gerade einmal Leerlauf herrscht. Sich also bewusst gegen das permanente Online-Sein zu entscheiden, Offline-Phasen zu schaffen und diese Zeiten auch konstruktiv zu gestalten, zähle heute zu den zentralen Herausforderungen für Heranwachsende. Die Studie zeigt, dass gerade einmal 36 Prozent der befragten Familien Regeln zum Umgang mit dem Smartphone aufstellen. „Regeln sind in diesem Kontext allerdings wichtig, besonders für Kinder und Jugendliche“, betont die Medienpädagogin. Zum Erstellen von Medienregeln empfiehlt Schulz die Website mediennutzungsvertrag.de. Dort können Nutzer/-innen mit nur wenigen Klicks einen Mediennutzungsvertrag für die Familie erstellen, auf ein Sortiment an Regelvorschlägen zurückgreifen, diese verändern oder eigene Regeln hinzufügen.

Bilder, Bilder und noch mehr Bilder

Visualisierte Kommunikation spielt in Social Media heutzutage eine zentrale Rolle. „Fotos sind heute gewissermaßen ein Existenzbeweis“, erläutert Schulz. Dabei spielt es keine Rolle, ob auf einem Konzert, im Urlaub oder beim Restaurantbesuch: Alles wird fotografisch dokumentiert und über Apps wie Instagram geteilt. Bibi, Dagi Bee und andere erfolgreiche Influencer lassen Fans an ihrem alltäglichen Leben teilhaben und geben ihnen das Gefühl, Freunde von nebenan zu sein. „Dass hinter einigen Profilen gar nicht die gezeigten Personen selbst, sondern Marketing-Teams stecken, ist vielen Jugendlichen überhaupt nicht bewusst.“ Die Medienpädagogin sieht deshalb eine Herausforderung darin, Bildwelten auf Instagram und Co. zu reflektieren. Es ist wichtig, Postings kritisch zu betrachten und darüber zu sprechen. Die Heranwachsenden müssen lernen, kommerzielle Strukturen in Social Media zu durchschauen und die Pseudo-Nähe ihrer Stars zu hinterfragen. Schulz empfiehlt hierfür, die Rollen zu tauschen und die Lernenden selbst (manipulative) Bildergeschichten zu bestimmten Themen erzählen zu lassen. Hierzu empfiehlt sie die iOS-App Comic Life.

Auch Berufsbilder haben sich in den vergangenen Jahren geändert. Influencer und YouTuber zählen heute zu den verbreitetsten Berufswünschen unter Heranwachsenden. Dabei ist Geld verdienen mit YouTube gar nicht so einfach, wie viele Jugendliche vielleicht denken. YouTube ist ein umkämpfter Markt und die Zahl der Nachwuchs-YouTuber wird jeden Tag größer. Zudem sind die Einnahmen auf der Video-Plattform bei weitem nicht so hoch, wie vielleicht vermutet. Für 1.000 Klicks auf ein Video bekommen die Youtuber/-innen etwa einen Euro von der Plattform. Zusätzlich müssen die Videos eine Mindestzahl an Klicks aufweisen, um überhaupt eine Auszahlung zu erhalten. Unter 70 Euro werden laut Schulz generell keine Summen ausgezahlt.

Social Media als Nachrichtenquelle

Soziale Medien betrachtet Schulz als Informationsknoten, Freunde und Influencer als Referenzpunkte. Die Aktualität der dort verbreiteten Inhalte stehe dabei oft in Kontrast zu deren Qualität. Zudem verblasse die vorhandene Themenvielfalt in der Filterblase. Soziale Medien haben in punkto Informationsbeschaffung in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Influencer als Quelle werden von den Jugendlichen als wichtig wahrgenommen, die Qualität der Meldungen sei hingegen oft zweitrangig. Fake News und Hatespeech sind Phänomene, die den Nutzerinnen und Nutzern in diesem Kontext immer häufiger begegnen.

Umso wichtiger ist es, Heranwachsende für Nachrichten in Social Media zu sensibilisieren, potentielle Meldungen auf ihre Seriosität zu prüfen und Recherchekompetenz zu vermitteln, so Schulz. Journalistische Arbeit muss transparent gemacht werden. In diesem Kontext empfiehlt die Medienpädagogin die Website 24aktuelles.com. Diese gibt den Nutzer/-innen die Möglichkeit, mit einfachen Mitteln selbst Fake News zu erstellen und zu erkennen, wie einfach es heutzutage ist, falsche Nachrichten zu verbreiten.

Text: Sascha Schmidt

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